I.
Andrea S. aus Düsseldorf, Abteilungsleiterin
Meine Erfahrung bezieht sich auf meine erste Stelle nach dem Studium, ich hatte noch keinerlei Erfahrung mit Gehaltsverhandlungen und wollte unbedingt diesen Job und nicht riskieren, ihn wegen zu hoher Forderungen nicht zu bekommen. Deshalb habe ich auf die Frage meines potenziellen zukünftigen Vorgesetzten: "was verdient man denn so, wenn man als BWLer anfängt", ein eher niedriges Gehalt genannt. Dann habe ich mit einer ehemaligen Kommilitonin telefoniert, die in einer Personalberatung begonnen hatte und sie gefragt, welcher Verdienst für eine solche Stelle passend sei. Ihre Empfehlung lag ca. 12-15 TDM darüber. Ich habe dann sehr selbstbewusst im Gespräch mit der Personalleiterin einen entsprechend höheren Betrag als meine frühere Forderung gegenüber meinem zukünftigen Vorgesetzten genannt. Meine Haltung war dabei gemäß Konrad Adenauer "was interessiert mich mein Geschwätz von gestern". Da hat sie gar nicht weiter nachgefragt. Das hat mir gezeigt, dass meine Forderung absolut angemessen war. Heute würde ich sagen, ich hätte sogar noch mehr verlangen können.
II.
Ilona S. aus M., Marketingmanagerin, Software-Branche
Als ich vor etlichen Jahren ein Angebot für meine erste Management-Position bekam, habe ich im Internet nach vergleichbaren Gehältern recherchiert. Was ich dort als Durchschnittswert gefunden habe, war deutlich mehr (25 Prozent) als mein damaliges Gehalt. Da ich auch keine Managementerfahrung nachweisen konnte, habe ich diese Summe genannt und sofort wurde mir zugesagt. In dem Moment habe ich gemerkt, dass ich hätte mehr bekommen können. Ich habe mich ganz schnell in die neue Position eingearbeitet und innerhalb von wenigen Wochen in der Probezeit habe ich erste Erfolgsergebnisse liefern können. Typisch Frau habe mich auf die Arbeit konzentriert, statt die Firmenpolitik näher kennen zu lernen, wie die Männer es meistens tun. Na ja, ich habe auch international Anerkennung bekommen und wurde noch in der Probezeit als der beste Marketing Manager von diesem global tätigen Unternehmen gefeiert.
Nach der Probezeit bin ich zu meinem Chef gegangen und habe auch sofort 20 Prozent Gehaltserhöhung erwirkt. Natürlich dachte ich zu diesem Zeitpunkt, dass ich ein sehr angemessenes Gehalt für meine Leistung bekam; bis zu dem Tag, an dem ich mich auf einer Messe mit einer Kollegin aus einem anderen Unternehmen unterhalten habe. Wir haben über die Kinder und Vereinbarkeit des Berufs mit der Familie geredet. Ein Thema war natürlich die hohen Betreuungskosten für berufstätige Mütter, die viel reisen müssen. So kam ich auf die Idee, sie nach ihrem Verdienst zu fragen. Da wir ein sehr vertrauliches Gespräch geführt hatten, hat sie mir ohne Umschweife einen Betrag genannt, der auch ca. 20 Prozent über meinem Gehalt lag. Ich habe mir nichts anmerken lassen und mir Gedanken über meine Situation gemacht. Von der Persönlichkeit her bin ich wie die meisten Frauen nicht in der ersten Linie monetär orientiert, dennoch wollte ich stets die Entlohnung bekommen, die meiner Leistung entsprach. Finanziellen Nöte hatte ich keine; im Gegenteil kam ich nicht dazu, mein hart verdientes Geld auszugeben. Mir fehlte einfach die Zeit dafür.
Ich bat meinen Vorgesetzten um ein Gespräch. Dieser sagte zu, allerdings mussten wir den Termin mehrmals verschieben, weil andere Prioritäten im Vordergrund standen. Als wir endlich zusammen kamen, war ihm anzumerken, wie sehr er unter Druck stand. Während des Gespräches spielte er die ganze Zeit mit seinem Ehering. Da ich überzeugt davon war, dass mir ein besseres Gehalt zusteht, kam ich schnell zum Thema, nachdem ich meine Performance und meinen Nutzen für die Firma erläutert hatte. Doch ich hatte keine Chance. Er hat meinen Wunsch abgebügelt mit Argumenten wie, der Firma ginge es nicht gut. Ihm somit auch nicht, das war zu merken. Er stand selbst unter Druck, seinen Job zu verlieren. Zunächst war ich verärgert, bis ich seine Hintergründe realisiert hatte.
Ein weiterer Gehaltssprung ist mir in dieser Firma nicht gelungen, da ich mich daraufhin anderweitig orientierte. Ich habe die Ablehnung nicht sportlich sehen können, hatte aber drei wichtige Sachen aus dieser Erfahrung gelernt:
1. Bei der Recherche nach Vergleichsgehältern im Internet können wir nur eine Orientierung bekommen. Genauere Informationen bekommen wir über KollegInnen anderer Firmen oder von PersonalberaterInnen.
2. Timing ist das A und O für eine Gehaltsverhandlung. Wenn Vorgesetzte stark unter Stress stehen, bringt es nichts, auf ein Gespräch zu bestehen, auch wenn wir sachlich über die Leistungen und den Nutzen argumentieren.
3. Eine Ablehnung sollten wir nicht unbedingt persönlich nehmen. Beim anschließenden Nachdenken und Reflektieren ist mir dieses klar geworden. Und ich habe viel davon profitiert bei meinen nächsten Jobs.
Ich wünsche allen berufstätigen Frauen viel Erfolg bei den Gehaltsverhandlungen. Mit Mut und Selbstbewusstsein über die eigenen Leistungen kommen wir auch weiter.
III.
Martina K. aus B., Marketingmanagerin, Automobilbranche
Ich war vor etlichen Jahren in einem Unternehmen tätig, in dem ich mich ohnehin nicht wohl gefühlt habe. Bei einem ehrlichen Austauschgespräch mit einem Kollegen, der auch wechseln wollte, habe ich es dann erfahren. Der Kollege war zwar in einer anderen Abteilung tätig, aber auf gleicher Stufe wie ich. Also habe ich einfach mal gefragt, was er so verdient. Als ich die Summe hörte, bin ich zunächst fast vom Stuhl gefallen.
Bei neuen Bewerbungsgesprächen habe ich dann eiskalt diese Summe genannt. Und obwohl ich argumentieren musste, warum ich so einen großen Sprung nach vorne machen möchte, konnte ich belegen, dass ich durch meine bisherige Erfahrung und mein Können das Geld auch wert bin.
Ich war fast erstaunt, wie leicht es dann war, dieses Gehalt zu bekommen. Die Firmen sind es ja offensichtlich gewohnt, so viel zu zahlen. Das Problem sind oft die Frauen, die zu wenig verlangen. Klar dass die Unternehmen dann auch gerne eine gute Frau nehmen, die auch noch billiger ist.
IV.
Anneliese D. aus H.; Führungskraft, High Tech Industrie
Nach der Wende bin ich von Ost nach West gezogen, um dort Arbeit zu finden - hatte auch noch keine Ahnung, was etwaige Unterschiede im Lohnniveau betrifft. Ich fand bald Arbeit in Frankfurt am Main als Sachbearbeiterin, mein Gehalt fand ich relativ niedrig (1.000 € Vollzeit mit Samstagsarbeit), aber ich dachte, mich kennt ja auch keiner, vielleicht ist das ein normales Gehalt; und ich war froh, Arbeit gefunden zu haben.
Nach und nach erst merkte ich, wie teuer das Leben in Frankfurt am Main ist und wie gering im Verhältnis dazu mein Gehalt, das sich später auch als das geringste der ganzen Abteilung herausstellte, worüber ich mich sehr geärgert habe. Ich fühlte mich schlichtweg ausgenutzt.
In der 6monatigen Probezeit habe ich sehr schnell gelernt und stand den anderen MitarbeiterInnen in nichts nach. Ich wollte noch einmal studieren und benötigte dringend Geld für das Studium. 2 Jahre gab ich mir Zeit, das Geld zusammen zu sparen. Mit diesem Einkommen war das jedoch ausgeschlossen.
Dieser Zwang gab mir den Mut der Verzweiflung, nach Ablauf der Probezeit zum Bereichsleiter zu gehen. Ich erklärte, dass ich das niedrige Gehalt verstanden habe, weil meine Leistungsfähigkeit ja noch nicht erwiesen war, aber nun nach der Probezeit habe ich gezeigt, dass ich den anderen in nichts nachstehe und hätte gern mehr Gehalt, das Leben in Frankfurt am Main sei teuer. Es hat geklappt - ich erhielt ca. 150,- € mehr.
Aber trotz eisernen Sparens - immer Aldi und meist zu-Fuß-laufen - reichte meine Sparquote nicht für ein Studium. Bei der Arbeit wurde ich immer besser, schlug Prozessverbesserungen vor, die umgesetzt wurden und unsere Arbeit effektiver machten, kam sehr gut mit neuen PC-Programmen zurecht und wurde allmählich zur Expertin der Abteilung, die in allen schwierigen Sachfragen zu Rat gezogen wurde.
Mein Chef machte keinen Hehl aus seiner Anerkennung, und darauf habe ich mich bezogen, als ich nach einigen Monaten wieder bei ihm auf der Matte stand. Ich erwähnte konkrete Leistungen, die ich erbracht hatte (s.o.) und dass ich immer noch weniger als der Durchschnitt verdiente, obwohl ich zu den Leistungsfähigsten gehörte. Es funktionierte wieder - noch einmal 150,- € mehr - jetzt waren es schon 1.300,- €.
Nach 1,5 Jahren rechnete ich aus, dass ich auf die gewünschte Sparsumme dennoch nicht kommen würde, wenn ich nicht schnell mehr verdiente. Die Schritte in meiner Firma waren einfach zu klein. Ich begann mich umzusehen bei anderen Unternehmen und fand sehr schnell ein anderes Angebot bei der Konkurrenz. Dort fragte man mich nach meinem bisherigen Gehalt, ich schwindelte ein klein wenig und sagte 1.400,- € ich würde mich jedoch gern verbessern wollen - sonst hätte ich keinen Grund für einen Wechsel. Man bot mir 1.500,- €; - ich nahm den Vertrag ohne Unterschrift mit nach Hause. Am folgenden Tag erschien ich bei meinem Bereichsleiter und wollte kündigen - erklärte jedoch, dass ich lieber bleiben würde und nur aus Geldnot ginge.
Der Chef fragte mich, wie viel die anderen bieten würden. 1.600,- € übertrieb ich. Der Chef wollte mich behalten und bot 1.700,- € - wenn ich da bliebe und meinte, ich sei dann die am höchsten bezahlte Sachbearbeiterin der Abteilung, aber ich hätte das Potenzial auf eine Führungsposition in der Zukunft und er möchte mich behalten.
Ich war gern in dieser Firma und blieb - in einer Woche hatte ich mein Gehalt um 30% gesteigert. Erst ein Jahr später kündigte ich, um endlich zu studieren - ich hatte 15.000,- € für das Studium zusammen.
Später habe ich noch mehrfach über Einstiegslöhne verhandeln müssen - ich war eine harte Verhandlerin und habe immer erhebliche Verbesserungen ausgehandelt. Meine Erfahrung ist, dass das Verhandeln eines höheren Einstiegsgehaltes viel einfacher ist, als späteres Einfordern höherer Gehälter. In Führungspositionen kann man auch Personalberater/Headhunter für Erstverhandlungen nutzen und sie direkt fragen, wie viel Spielraum der Arbeitgeber hat, welche Argumente am besten überzeugen könnten und welche alternativen Gehaltsbestandteile aushandelbar sind, wenn es finanziell begrenzte Spielräume gibt. Vom Auto bis zur bezahlten Kinderbetreuung ist hier alles möglich. Ich habe auch einige Jahre im Vertrieb/Business Development gearbeitet und weiter verhandeln trainiert. Es ist ja soviel leichter, für eine Firma gute Konditionen auszuhandeln als für sich selbst - aber trotzdem lernt man dabei, wie man argumentieren kann, welche Taktiken eher erfolgreich sind als andere und es letztlich als sportliche Herausforderung zu sehen - verlieren kann man nicht.
Damals, als ich es aus reiner Geldnot tat, habe ich sehr widerwillig nach höherem Gehalt gefragt und mich sehr gequält. Aber die dadurch gewonnene Erfahrung, dass es wirklich funktioniert - ohne die Beziehungen zum Vorgesetzten zu beschädigen - und wie viele Spielräume offenbar "drin sind" sowie die Erkenntnis, dass ich offenbar lange unterbezahlt worden war, haben mir für den Rest des Lebens eines beigebracht: es ist immer mehr drin, als man angeboten bekommt, es ist immer sinnvoll zu fragen und zu verhandeln (auch länger zu verhandeln) und dass es sinnvoll ist, über Leistung zu argumentieren - in Relation zu anderen - und dabei konkrete Beispiele zu nennen, wo man der Firma einen Zusatznutzen erbracht hat. Ich habe gelernt, dass ich etwas wert bin und dass mein Lohn davon abhängen soll, wie meine Leistung relativ zu anderen ist - und nicht von irgendwelchen anderen Faktoren, wie Geschlecht, Herkunft oder anderes. Ich habe gelernt, nach Gehaltsunterschieden zu fragen - auch wenn kein Personalchef einem hier konkrete Antworten gibt, sie lassen einen immerhin meist wissen, in welchem Bereich man einzuordnen ist und warum das ihrer Meinung nach so richtig ist - und eben dort kann man ansetzen und gegen argumentieren.
Ein Unternehmen wollte z.B. meinen Abschluss an einer Business School runterhandeln und mich in die Gehaltshöhe für Fachschulabsolventen stecken. Ich hatte jedoch einen MBA an einer europäischen Universität absolviert und konnte nach zäher Verhandlung durchsetzen, dass mein Abschluss in der Gehaltshöhe für Universitätsabsolventen eingestuft wurde - das machte damals noch mehrere Tausend DM im Jahr aus.
Ich habe auch immer intensiv versucht, herauszufinden, was Kollegen verdienen. Gerade Kollegen, die frisch die Firma verlassen, sind hier auskunftsfreudiger ("ich verdiene jetzt mehr woanders" - "aha, wie viel hast du denn jetzt und um wie viel hast du dich verbessert?") oder auch was Mitarbeiter bei Wettbewerbern verdienen ("bei euch verdient man bestimmt schlechter/besser als bei uns, wie sind so bei euch die Gehälter?"). Dort hört man eher Bandbreiten als individuelle Löhne, aber auch das hilft.
Zuletzt noch ein Hinweis: es ist natürlich nicht erlaubt, einem Arbeitgeber falsche Angaben über die eigene Gehaltshöhe zu machen. Sollte man unterjährig wechseln, würde der neue AG spätestens an der Lohnsteuerkarte sehen, dass man nicht die Wahrheit gesagt hat und ist zur Kündigung berechtigt. Außerdem dürfte es die Vertrauensbasis erschüttern. Ob und unter welchen Bedingungen man das macht, ist also mit Augenmaß zu entscheiden. Beim Wechsel zum Jahresbeginn fällt das nicht auf. Wenn man bei einem Arbeitgeber bleibt und woanders gar nicht hingeht, fällt es natürlich auch nicht auf. Ich halte Ehrlichkeit für eine hohe Tugend, aber es gibt Notlügen, die der Gerechtigkeit zum Erfolg verhelfen. Zum Beispiel kann man mit "sicher zu erwartenden Gehaltserhöhungen" in der alten Firma argumentieren - die durch einen Wechsel ja notgedrungen nicht mehr zum Tragen kommen...
V.
Heike S., HR Managerin aus H.
Im Rahmen der kürzlich stattgefundenen jährlichen Gehaltsrunde war es mir wichtig, einmal die aktuelle Verdienstmöglichkeit herauszufinden.
Daraufhin recherchierte ich im Internet unter diversen Links wie Gehaltsvergleich, Lohnfindung ... und stellte fest, daß mein derzeitiges Gehalt zu niedrig war.
Interessant war auch der Vergleich männlich - weiblich. Die Tabellen zeigten im Verhältnis bei gleicher Qualifikation und Erfahrung ein besseres Verdienst bei den männlichen Kollegen.
Ich machte mir meine Gedanken und einen Plan...
Der Plan war wie folgt: Ich dokumentierte alle erfolgreichen Tätigkeiten, Projekte, Sonderaufgaben des letzten Jahres inkl. der geleisteten Arbeitszeiten. Mit diesen gut vorbereiteten Unterlagen konfrontierte ich meinen Vorgesetzten in dem Gehaltsgepräch und war diesmal nicht mit der üblichen Erhöhung, die durchschnittlich gezählt wird, zufrieden.
Mein Tipp: Fair und ggfs. hartnäckig verhandeln. Es funtioniert!
Viel Erfolg!!!
VI.
Lisa G., Ingenieurin aus F.
Im Jahr 2007 wurde ich von der Gruppenleiterin zur Projektleiterin befördert. Meine Erfahrung: Vorbereitung zur Gehaltsverhandlung ist der sichere Erfolg garantiert. Informationseinholung wo wir im Unternehmen Führungskräfte, hier ab Projektleitung, eingruppieren. Ab dieser Position ist der Einstieg über ein AT-Gehalt geregelt. D.h. für mich, dass ich mit dem Einstiegsgehalt für Projektleitung hochgruppiert wurde. Das Ergebnis war von Tarifgehalt zum AT-Gehalt 18% Gehaltserhöhung. Damit wollte ich mich nicht zufrieden geben und verhandelte noch Elemente wie ergebnisorientierte variable Vergütung von max. 1,5 Monatsgehalt, Firmenfahrzeug und ein Leadership Coaching für meine neue Funktion. Das Ergebnis läßt sich sehen von 48.000 EUR auf 74.000 EUR Jahresbruttogehalt (35% Gehaltserhöhung)!
VII.
Margrit H. aus S., Kommunikationsmanagerin
Ich arbeite seit 12 Jahren in der Marketingabteilung der deutschen Vertriebsniederlassung eines sehr großen US Medizinunternehmens. Vom Produktspezialisten, zum Produktmanager, zum Gruppenleiter und demnächst als Kommunikationsmanager. Keine großartige Karriere, wie ich es mal geplant hatte, aber ich bin zufrieden. Meine Branche ist männerdominant. Ich brachte ein Studium, zwei Fremdsprachen und ungewöhnlich viel 'can do' Verhalten in der Firma. Und ich bekam in der Zeit zwei großartige Kinder (heute 6 und 8) und habe einen liebenden Hausmann. Ich war je nur die Pflichtzeit von 10 Wochen weg (frau ist gesetzlich krankgeschrieben bei einer Geburt!) Meine Belastbarkeit, mein Arbeitspensum und meine Flexibilität für Reisetätigkeit sind enorm. Mit fast 40 Jahren stelle ich kein 'Risiko' mehr zwecks weiterer Familienplanung dar. Mein Ehe-Held ist Franzose und wir leben in seinem Land. Das Lebensangebot dort ist groß: Tagesbetreuung & Ganztagsschule wenn nötig, bezahlbare Reinigungskraft, keine Rabenmutter-Hexenjagt-Mentalität oder ähnliches. Ich bilde mich ständig weiter - gerade ein berufsbegleitendes MBA. Unterstützung habe ich zu Hause wie es z.B. ein deutscher erfolgreicher Manager von seiner Frau gewöhnt sein darf. Mein Essen steht abends bereit, die Kinder sind bettfertig und Hausaufgaben gemacht. Wir machen einfach Rollentausch.
Es passt...alles prima...nur, irgendwie, aber doch anders als bei meinen männlichen Kollegen. Die meisten Langjährigen unter ihnen haben mich mit besseren Positionen überholt. Mehr als die Hälfte sind von ihren Familien geschieden oder leben glücklich mit Frau, Kind und Außenbeziehung.
Ein paar Kollegen sind gegangen, weil wir im 2-3 jährigen Rhythmus einem 'Change Management' unterliegen und wir uns jedes Mal bei einem neuen Chef beweisen müssen. Vor allem ich. Jedes Mal werden meine Tatsachen ignoriert. Kann die was? Will die wirklich? Überschätzt die sich nicht? Das ist nicht vorstellbar: die Frau hat zwei Kinder, das geht doch nicht!
Dann landet irrtümlich ein Papier auf meinem Tisch. Darauf kann ich lesen schwarz auf weiß: meine Kollegen auf gleicher Position verdienen 15-20% mehr als ich. Ich fasse es nicht. Hol einen Termin beim Entscheider. Bin mutig, klar, bestimmt in der Sprache, risikobereit. Ich frage ihn, ob er zufrieden ist mit meiner Leistung. Ich erinnere ihn an die erfolgreichen Projekte, zu denen er mich gelobt hat. Oft vor den anderen, die fanden es auch toll, waren gar nicht neidisch (klar, haben ja auch mehr verdient!). Ich sage ihm ins Gesicht, dass ich es weiß. Ich sage jedoch noch nichts von dem Papier. Versuche es weiter mit Argumenten. Er wiegelt ab. Versucht auszuweichen – weg vom Thema. Macht körpersprachliche und mimische Drohgebärden. Tut dann unschuldig (fast wie ein Junge vor der Mama, wenn er was verbrochen hat). Dann reicht es mir. Ich sage, dass ich es schwarz auf Weiß gesehen habe. Komischerweise mache ich das ganz ruhig, bleibe ganz bestimmt, wiederhole immer wieder meine Sätze, gehe gar nicht auf seine Ablenkungsfragen ein. Mache keine Vorwürfe. Mein Verhalten sag einfach nur: ich will genauso viel Geld.
Bis er endlich ja sagt. Den Zettel brauch ich gar nicht mehr zu zeigen. Ich koche dennoch weiter innerlich über diese ungerechte Selbstverständlichkeit.
Bin ich selbst schuld? Wem kann ich die Leviten lesen? Muss man wirklich ständig so kämpfen?
Ja, ich glaube Männern wird auch nichts geschenkt. Man kann diese Regeln nur ändern, wenn man die Macht hat. Und dann auch nur gaaanz langsam.
Wie auch immer, seitdem arbeite ich dran im Job cool zu sein, egal ob ich kühl wirke. Keine Angst mehr zu haben. Risiken eingehen. Einfach wieder aufstehen, wenn mal was schief geht. Mein Ding zu machen. Und wichtig: Ablehnung aushalten (auch von Kolleginnen!). Aus der Komfortzone rauskommen. ICH muss wissen was ICH will.
VIII.
Fulya K. aus D., Dipl. Sozialwirtin
Ich habe in einer Beratungsstelle nebenbei gearbeitet, da ich eigentlich in Elternzeit war. Die sehr anstrengende pädagogische Arbeit mit Familien und deren Kindern war wie ich finde viel mehr wert, als mir bezahlt wurde.
Zudem erfuhr ich von dem betreffenden männlichen Mitarbeiter, wie viel er erhält, abgesehen von einem Firmenwagen, mit dem er die Familien aufsuchen konnte.
Daraufhin habe ich den Leiter der Beratungsstelle meine Argumente aufgewiesen und zu dem noch gesagt, dass er eine qualifizierte Mitarbeiterin und kostenlose Übersetzung bei der Arbeit hat. Später wurde ihm klar, dass ich die einzige Beraterin mit türkischen Sprachkenntnissen und Ansprechpartnerin für Familien mit Einwanderungshintergrund geworden bin.
Nun erhalte ich das, was ich mir Lohn gewünscht habe!!!
IX.
Heike P. aus B., Vertriebsmanagerin
Meine Erfahrungen mit Gehaltsverhandlungen sind:
- Anfängerfehler: Ich bin schon nach dem Studium zu niedrig eingestiegen; es hat 2-3 Jahre gedauert, das wieder aufzuholen.
- Reale Gehaltsdaten: gibt es kaum im Internet, sondern eigentlich nur aus dem Netzwerk (andere Berufseinsteiger, andere Angestellte - die nicht direkte Kollegen sind). Auch die sind nicht immer verlässlich.
- Männer scheinen dazu zu neigen, ihr Gehalt im \'Biertischgespräch\' nach oben zu korrigieren (sozialer Druck), Frauen manchmal nach unten (nicht aus der Reihe tanzen).
- Es gibt keinen \'Branchendurchschnitt\' - der Marktführer zahlt immer besser, was Mittelständler manchmal durch bessere Personalpolitik - Work-Life-Balance, Unternehmensklima - wettmachen.
Beim Verhandeln:
- Immer mehrere Eisen im Feuer haben - vermindert den Abschlussdruck.
- Gelassenheit - wenn nicht dieser Job, dann eben der nächste.
- Den Leidensdruck des Gegenübers ausloten: wie nötig braucht er meine Qualifikation / Arbeitskraft, und welche Zahlungsbereitschaft hat er dafür. Wenn Führungskräfte hier keinen Spielraum haben, haben sie es ggf. auch nicht im Alltag.
- Informationen über und aus dem Bereich helfen immer (z.B. aus dem Netzwerk, Nachbarabteilungen, ...)
- Etwas Pokern.
X.
Monika B. aus K.
In der Tierklinik, in der ich arbeitete, war es nicht schwer, die Gehälter zu vergleichen: die Lohnabrechnungen lagen als Stapel herum und man suchte sich den eigenen raus.
Der einzige männliche Mitarbeiter verdiente mehr als seine beiden Kolleginnen!
Bei gleicher Qualifikation und Arbeitszeit, er hatte sich offensichtlich besser verkauft...Es war nicht schwer, ihn davon zu überzeugen, dass seine Kolleginnen für gleiche Arbeit das gleiche Geld wollten und mit ihm auf unserer Seite fiel der Gang zum Chef wesentlich leichter.
XI.
Martina K. aus B.
1987 habe ich nach erfolgreichem Realschulabschluss eine zweijährige Ausbildung zur Notargehilfin in Essen absolviert und war anschließend auch als Notargehilfin in einem kleinen Notariat tätig. Im Mai 1991 wechselte ich in den öffentlichen Dienst“, wo ich zuständig war für Ratsangelegenheiten (Sitzungsdienst > Fertigung der Einladungen und Bekanntmachungen zu Gemeinderats- und Ausschusssitzungen sowie selbstständige Fertigung der entsprechenden Niederschriften), Sekretariatsaufgaben (u.a. Vertretung der Sekretärin des Bürgermeisters/Hauptamtsleiters mit allen anfallenden Sekretariats- und Repräsentationsaufgaben), Versicherungsangelegenheiten Personalwesen (Reisekosten, Beihilfe, Zeiterfassung), Wahlangelegenheiten (selbstständige Bearbeitung der Briefwahlanträge und Ausstellung der Wahlscheine etc.), Feuerwehrwesen inklusive Zivil- und Katastrophenschutz (seit 1995) EDV-Organisation/EDV-Einsatz im Hauptamt (Initiierung von Verwaltungsvereinfachungsprogrammen im Bereich Sitzungsdienst und Feuerwehrwesen mit Erstellung und Weitergabe von Programmvorgaben an eine Softwarefirma. 1994 legte ich die Erste Prüfung für Angestellte im kommunalen Verwaltungs- und Kassendienst bei einer Verwaltungsschule mit Erfolg ab.
Da mein „drei mal so alter“ Zimmerkollege in einer höheren Vergütungsgruppe eingruppiert war, was ich durch den „Sitzungdienst“ und einen Blick in den Stellenplan wusste, stellte ich 1995 einen schriftlichen Antrag auf Höhergruppierung. Nach erfolgtem Stellenbewertungsgutachten bekam ich dann in einem Schreiben mitgeteilt, dass der zuständige Ausschuss meine Höhergruppierung 1997 beschlossen hat. In meiner Elternzeit habe ich im Februar einen erneuten Antrag auf Höhergruppierung gestellt.
XII.
Karin B. aus D.
Als Technical Supervisor bei einer südafrikanischen Firma hatte ich viel weniger Gehalt als meine Kollegen in der gleichen Funktion, obwohl ich für meine Arbeit und meinen Einsatz zweifellos von männlichen Kollegen und Vorgesetzten anerkannt war.
Da ich ein gutes Verhältnis zu meinen Kollegen hatte, habe ich durch sie deren Gehalt erfahren und konnte vergleichen. Meine Kollegen fanden es auch ungerecht, dass ich weniger Gehalt hatte.
Ich suchte mir einen Verbündeten, und zwar den Stellvertreter des Produktionsleiters. Ich sprach mit ihm über meine Unzufriedenheit und er versprach, mich zu unterstützen, weil ich für ihn nützlich war, denn durch meine gute Arbeit lief mein Verantwortungsbereich effektiv, was seine Arbeit erleichterte.
Ich machte ein "Personal Assessment" d.h. eine schriftliche Selbstbewertung, wobei ich alle meine Fähigkeiten und Erfolge in meinem Verantwortungsbereich aufführte.
Dann ersuchte ich den Produktionsleiter um ein Gespräch und legte ihm mein "Personal Assessment" vor. Ich hatte mich auf eine Diskussion gut vorbereitet und meine Argumente vorher durchdacht und eingeübt. Als der Produktionsleiter das Formular gelesen hatte, sagte er, dass alle Punkte richtig sind und er zustimmen kann. Er versprach, etwas für eine Gehaltserhöhung zu tun. Am nächsten Monatsende hatte ich eine ordentliche Gehaltserhöhung, die mich mit meinen Kollegen gleichstellte. Offensichtlich hatte sein Stellvertreter mit ihm gesprochen.
Meine Empfehlung an alle Frauen:
1. Herausfinden wie viel der Gehaltsunterschied beträgt
2. Unterstützung suchen, bei Kollegen, anderen Abteilungsleitern, Personalabteilung usw.
3. Sachliche schriftliche Selbstbewertung, alle Ergebnisse, Erfolge auflisten
4. Gesprächstermin mit Vorgesetztem bzw. Entscheidungsträger vereinbaren
5. gut vorbereitet und selbstbewusst mit schriftlicher Selbstbewertung zum Gespräch gehen
XIII.
Carmen K. aus T.
Während eines Klön-Gespräches mit Kollegen auf dem Flur hat einer meiner männlichen Kollegen versehentlich verraten, wie hoch sein Bruttogehalt ist. Nachdem ich diese Info erst einmal für mich abspeicherte, ließ ich mir unsere Geahltseinstufungstabelle von der Personalabteilung kommen. Somit konnte ich genauestens unsere Bruttogehälter gemäß unserem Haustarif überprüfen. Leider musste ich feststellen, dass mein Kollege eine ganze Stufe höher lag als ich und eine Leistungsgruppe zusätzlich erhält. - WIR VERRICHTEN DIE GLEICHE ARBEIT ! - Ich war entsetzt.
Ich habe eine Weile verstreichen lassen und dann in Ruhe eine Strategie überlegt. Ich ließ mir ein Gespräch beim Betriebsratsvorsitzenden geben. Während dieses Termins musste ich mit der Einschaltung der Gewerkschaft drohen. Dieses ist in unserem Unternehmen etwas heikel, da die Gewerkschaft zu 50% Anteilseigner ist. ABER ich habe mich trotzdem getraut. Mit Erfolg, denn ich bekam danach eine hohe Einmalzahlung und eine Umgruppierung. Ich hatte es geschafft. Fazit für andere Frauen, denen es ähnlich geht. Bitte traut Euch!!
XIV.
Katrin K. aus W.
In einem meiner ersten Bewerbungsgespräche wurden meine Gehaltswünsche vonseiten der Personalabteilung einer bekannten großen deutschen Firma abgelehnt und eine Beschäftigung hätte unter diesem Wert erfolgen können. Meine Gehaltsforderungen, die ich zuvor mit ehemaligen Mitstudenten in gleicher Anstellung und vergleichbarer Berufserfahrung in derselben Firma abgestimmt hatte, wurden mir schlichtweg nicht zuerkannt.
Da ich mich damals wie heute nicht zu billig verkaufen wollte, habe ich mich schließlich für eine Anstellung in einem mittelständischen Unternehmen entschieden und wurde dort mit offenen Armen und überdurchschnittlichem Gehaltszahlungen empfangen.
Nur Mut zu unkonventionellen Entscheidungen!
XV.
Marie-Luise P, aus Leipzig, Steuerberaterin
Ich bin seit einigen Jahren selbstständige Steuerberaterin und irgendwann in eine Bürogemeinschaft mit männlichen Kollegen gezogen. Ich muss gestehen, ich selbst habe mein Gehalt - in diesem Fall meinen Gewinn - "gedrückt". Ich habe viel niedrigere Rechnungen gestellt als meine Kollegen, in der Annahme, dass diese mehr wissen. Irgendwann merkte ich, das ist gar nicht der Fall. Es ist für mich schwierig, meine eigene Leistung wert zu schätzen. Ich dachte immer, um mehr zu verlangen, müsste ich noch besser sein. Um dies zu verändern, habe ich einen so genannten Aktivsenior in mein Unternehmen geholt, der mich hierzu berät. Entscheidend außer dem Aktivsenior waren auch meine Mitarbeiter. Ich habe gemerkt, dass ich ihnen gegenüber auch die Verantwortung habe, erfolgreich zu arbeiten. Wir haben jetzt z.B. eine Regelung, dass, wenn ich bei einer Rechnung nicht den üblichen Anteil für Post- und Fernmeldegebühr berechne, ich 5,- € in eine Kasse zahlen muss - die Kasse ist immer noch leer.
XVI.
Hannelore V. aus H., Wirtschaftsingenieurin
Als ich gerade seit 2 Jahren als „Junior“ in einem Konsumgüterunternehmen tätig war, kündigte eine Führungsperson (aus dem Bereich, wo ich tätig war). Ich wurde kommissarisch als seine Nachfolgerin nominiert, bis jemand Neues eingestellt würde. Schön! Sehr früh hab ich im Unternehmen ein gutes Netzwerk aufgebaut – auch zum Betriebsrat. So kannte ich meine Rechte sehr gut und konnte nach 4 Wochen kommissarischer Leitung das Gehalt meines Vorgängers in Anspruch nehmen (ca. 30% mehr als mein eigenes). So war es im Tarifvertrag festgesetzt. Insgesamt 11 Monate machte ich die Vertretung, bis ein Nachfolger gefunden wurde. Die Stelle selbst wurde mir nach Aufnahme der Tätigkeit und guter Leistung mehrfach angeboten, kam aber aufgrund des Standortes und anderer, interessanterer Perspektiven für mich nicht in Frage. Im Anschluss wurde mein Gehalt angepasst, und ich erhielt eine Senior Position mit Herausforderungen gemäß meinen Vorstellungen im Unternehmen.
Frau muss ihre Rechte kennen und zwar sehr gut. Freiwillig werden solche Leistungen von Unternehmen leider nur sehr selten angeboten. Ein gutes Netzwerk kann helfen. Bei BPW hab ich gelernt, was Netzwerken bedeutet, wo man die Fäden hinspannen muss und wie ich Schlüsselpersonen erkenne. BPW hat sich bei mir schon lange bezahlt gemacht.
XVII.
Melanie W., S., Assistentin der GF
Auch ich würde meiner Geschichte nicht so viel Gewicht beimessen, wäre da nicht die Tatsache, dass ich schon eine kleine Exotin auf dem Arbeitsmarkt bin.
Seit sechseinhalb Jahren bin ich in einer Werbeagentur als Fachkraft für den Büro-, Finanz-, Buchhaltungs- und Personalbereich tätig. Mit schnellen Schritten konnte ich mich von der einfachen Bürokraft zur heutigen Assistentin der Geschäftsführung mit Prokura hocharbeiten. Drei Dinge haben mich auf diesem Weg unterstützt. Zunächst meine unterschiedlichen beruflichen Kenntnisse - mein beruflicher Werdegang umfasst eine Ausbildung zur Steuerfachgehilfin und unterschiedliche Tätigkeiten, von der Finanzangestellten bis zur Flugbegleiterin. Aus allen Bereichen konnte ich viele Erfahrungen und Kenntnisse mitnehmen. Die zweite Hilfe konnte ich mir selber geben, denn durch Einsatz und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen wurde mein Tätigkeitsfeld immer größer. Zuletzt bleibt natürlich - und das ist die wichtigste Voraussetzung - das Vertrauen meines Chefs in meine Kompetenzen.
Aber warum ist das so exotisch? Nun ja, dieser Aufstieg ging natürlich einher mit Gehaltssteigerungen. Inzwischen kann ich mit meinem Einkommen unsere 4köpfige Familie ernähren und unser Haus finanzieren. Meine zwei wunderbaren Töchter werden von meinem Mann, der die Elternzeit genommen hat, liebevoll betreut. Bei uns ist also alles ein bisschen anders, aber wir genießen unser Leben auf diese Art jeden Tag aufs Neue.
XVIII.
Cordula H., J., Normungsexpertin
Über mehrere Jahre habe ich die Normung in einem Unternehmen in der Automobilindustrie modernisiert. Jahrelang wurde ich immer wieder vertröstet wenn es um Gehaltserhöhung ging. Dann habe ich eine Weiterbildung gemacht und nach bestandener Prüfung wieder versucht, ein anderes Gehalt zu bekommen. In dem Jahr wurde leider gespart und eher entlassen als eingestellt. Im darauf folgenden Jahr wurde ich schwanger und da war laut meinem damaligen Chef ja nicht an eine Gehaltserhöhung zu denken. Mein Kollege der mich in der meiner Schwangerschaft vertreten hat, hat die Gehaltserhöhung bekommen, weil er meinen Job machen musste (höhere Anforderungen!!)
Dies hat mich so sehr geärgert, dass ich während der Schwangerschaft einige Zeit darüber nachdachte und habe mich entschlossen, diese Gehaltserhöhung durchzusetzen!
Nach 7 Monaten bin ich Teilzeit zurückgekommen; ein halbes Jahr später habe ich erhöht auf die erlaubten 30 Stunden in der Elternzeit. Dann habe ich meinen Job weiter ausgebaut und die Verantwortlichkeiten von 5 Standorten auf gut 20 Standorte erweitert.
Damit bin ich dann zu meinem jetzigen Chef gegangen und habe ihm erklärt, dass ich erneut schwanger bin und trotzdem dieses Gehalt verlange! Wenn frau sich nicht unterkriegen lässt und nicht aufgibt kann frau auch das Gehalt bekommen, das sie will!
IX.
Roxanne V., aus D., Führungskraft
Schon früh in meiner beruflichen Laufbahn hatte ich den Anspruch, gleicher "Lohn" für gleiche Arbeit & Leistung. Dass das natürlich nicht immer leicht durchzusetzen ist, ist klar.
Das erste Mal machte ich hiermit Erfahrung, als ich nach der Ausbildung mit einem Hungerlohn übernommen werden sollte. Dies konnte ich im persönlichen Austausch mit meinen Schulkollegen feststellen. Ich zog die Konsequenz, suchte mir eine andere Anstellung und wechselte. Durch diesen Schritt konnte ich mich erheblich verbessern.
Am Anfang meiner Karriere habe ich im Rhythmus von ca. 2-3 Jahren meine Position gewechselt (Firmenwechsel im Zyklus von ca. 5-6 Jahren). Bei jedem Wechsel orientiere ich mich über Gehaltsstudien/-bandbreiten, damit ich "fordern" konnte, was mir zusteht. In diesem Vergleich schaute ich nicht auf das Entgelt für Frauen, sondern auf die Position als solche.
Ein Schlüsselerlebnis, welches herauszuheben ist ... im Rahmen der Expansion meines Arbeitgebers konnte ich mich glücklicherweise gut weiter entwickeln, und mir wurde eine leitende Position angeboten.
Hier hatte ich jetzt das "Problem" einzuschätzen, wie diese bezahlt werden sollte. Da es meine Position in dieser Form nur einmalig in Deutschland gab, erkundigte ich mich, was den Kollegen im Europäischen Ausland so zustand. Hier gilt es auch zu bemerken, dass ich zu dieser Zeit die einzige Frau in diesem Bereich auf dieser Ebene war.
Aufgrund der Rückfragen erfuhr ich, dass die Positionen in allen Ländern basierend auf der Verantwortung etc. eingruppiert wurden und damit das "Paket" des Entgeltes festgelegt wurde. Nun konnte man natürlich das Entgelt eines anderen Landes nicht einfach 1:1 auf Deutschland übertragen, ABER gleichzeitig erfuhr ich auch, welche weiteren Vorteile den Kollegen zustanden (Firmenwagen, Sonderleitungen, Bonus, etc.).
Mein Gedanke und somit auch die Formulierung meiner Anfrage: stehen mir diese auch zu?
Das Deutsche Management war hier nicht begeistert und wollte dies abwehren, zumal ich die erste Frau im Unternehmen gewesen wäre, die einen Firmenwagen bekommen hätte... Das war für sie natürlich nicht akzeptabel. Glücklicherweise hatte ich auch gute Verbindungen zu unserem zuständigen Europäischen Management und konnte diese taktisch mit ins Boot nehmen.
Basierend auf meiner Nachfrage und Forderung wurde dann durchgesetzt, dass diese Eingruppierungen (wir sprechen hier über Jobs außerhalb des Tarifbereiches) auch in Deutschland eingeführt werden. Unser Personalbereich musste also alle AT-Jobs basierend auf den Internationalen Vorgaben des Unternehmens gruppieren. Dies hatte zum einen zur Folge, dass meine neue Stellung fair eingruppiert werden konnte und auch alle anderen Positionen und deren Gruppierung im AT-Bereich transparenter wurden. Auf einmal hatten auch "andere" einen Anspruch auf einen Firmenwagen etc. Natürlich wäre dieses System früher oder später auch in Deutschland eingeführt worden, durch meine Forderung und Hartnäckigkeit wurde das aber vorgezogen.
Seitdem achte ich darauf, dass ich immer die Gruppierungen meiner Jobs kenne und mich gut in den Gehaltsbandbreiten wieder finde. Zusätzlich orientiere ich mich an verschiedenen Gehaltsstudien. Ich könnte noch einige Beispiele mehr nennen, z.B. im Hinblick auf Sonderarrangements (u.a. wenn man Familie und Beruf unter einen Hut bringen muss, aber auch hier fair behandelt und bezahlt werden möchte). Dies würde hier aber den Rahmen sprengen.
In Summe, gute Leistung, klare Forderungen verbunden mit etwas Mut und auf keinen Fall aufgeben. Wenn man gute Leistungen bringt, hat man das Recht, zu fordern.
Im Hinblick auf Arrangements (Familie & Beruf), immer kreative, durchführbare Lösungsvorschläge vorgeben und nicht jammern. Dann findet man meistens eine gute, gemeinsame Lösung, inklusive der finanziellen Regelungen etc.