BPW Germany - Business  and Professional Women
Geschichten zum nachdenken
Diese Aktion wird durch das Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert.

 

I.

Angelika E. aus D.

Als ich vor einigen Jahren meine Ausbildung als Offsetdruckerin anfing, erlernte ich in einen reinen Männerberuf. Die Ausbildung in dem Betrieb war sehr genau und meine männlichen Arbeitskollegen waren alle sehr hilfsbereit.
Die Bezahlung dort war nach der Ausbildung genau so wie bei den Männern.
Nach einem Wohnungsortwechsel stellte sich nur ein anderes Problem ein: Ich fand erst keine neue Stelle. Ich bekam etwa zu hören: „So etwas kann eine Frau nicht leisten.“ Nach der Geburt unseres Sohnes fand ich schließlich eine Halbtagstelle in einer Druckerei. Dieses ging einige Zeit gut,  aber es stellten sich neue Probleme ein.

Wer passt auf das Kind auf, wenn ich arbeiten gehe? Das wiederum kostet viel Geld, die Kinderbetreuung. Ich möchte hier zeigen, welche Probleme entstehen, wenn die Frau arbeiten geht und auch Kinder hat. Heutzutage gibt es kaum Kindergartenplätze weil immer mehr bei den Kommunen eingespart wird. Aber wir Frauen müssen mitverdienen da das Geld in der heutigen Zeit nicht mehr ausreicht. Ich habe damals meine Arbeit aufgegeben um für mein Kind da zu sein.

 


II.

Gabriele D. aus M.

Ich habe mich vor über 20 Jahren wegen der Betreuung + Erziehung meiner beiden Kinder drei Jahre beurlauben lassen und bin anschließend als Teilzeitbeschäftigte wieder in meinen Beruf zurück gekehrt. Zu diesem Zeitpunkt stellte ich fest, dass mein Kollege aus derselben Abteilung, dessen berufliche Entwicklung vorher annähernd parallel mit meiner verlaufen ist (ich lag vor meiner Beurlaubung sowohl positions- wie auch mein Gehalt betreffend eine Stufe höher als mein Kollege), an mir vorbeigezogen war und der Abstand im Laufe der folgenden Jahre immer größer wurde.

Erfahren habe ich davon übrigens immer durch die abteilungsinternen Gratulationen, die er für seine Aufstiege erhielt.  
Mehrere Aufstiege und Beförderungen musste ich mir, teilweise unter Klageandrohung, erkämpfen. Nachdem ich mit jahrelangen Verzögerungen den Kollegen schließlich eingeholt hatte, sollte er vor etwa zwei Jahren eine Leitungsposition erhalten. Da habe ich mich entschlossen, zu ihm in Konkurrenz um diese Stelle zu treten.

Nachdem ich als Bewerberin abgewiesen wurde, entschied ich durch eine Konkurrentenklage, den Fall gerichtlich klären zu lassen.   Auch meine Dienstaltersstufe wurde nach Rückkehr aus der Beurlaubung (von Gesetzes wegen, mein Gehalt richtet sich nach beamtenrechtlichen Besoldungsregelungen) um ein Jahr hinausgeschoben; mit der Folge, dass noch heute, nach fast 25 Jahren zurückliegender Beurlaubung mein Gehalt immer erst ein Jahr verspätet um die nächste Lebensaltersstufe ansteigt.
Hiergegen habe ich ebenfalls vor kurzem Klage erhoben. Endgültige Gerichtsurteile gibt es in beiden Fällen bisher noch nicht.

Ich habe mich außerdem entschieden, in meiner Institution Gleichstellungsbeauftragte zu werden (und wurde auch dazu gewählt). Eine wichtige Aufgabe für mich liegt darin, meine Kolleginnen dabei zu unterstützen, dass z.B. in Auswahlverfahren auf ihre tatsächlichen Qualifikationen geachtet wird und nicht darauf, ob mann glaubt, sie seien als Frau für eine Führungsaufgabe nicht geeignet, weil sie a) unangenehmen Situationen rsp. zu treffenden Entscheidungen nicht gewachsen seien und/oder b). Leitungsaufgaben doch nur mit Schwierigkeiten bewältigen könne, da sie doch gleichzeitig Kindererziehungsaufgaben hätten (in diesem Fall war der Sohn übrigens 22 Jahre alt).

Außerdem ist es mir wichtig, meine Kolleginnen darin zu bestärken, sich über alle Bedingungen Ihres Arbeitsverhältnisses (einschließlich der Merkmale für Eingruppierungen) schlau zu machen, denn a) wer nichts weiß, muss alles glauben! und b)nur wenn ich weiß, kann ich mir mein Recht holen!

Auch dazu möchte ich alle Frauen ermuntern, zumal es nicht immer möglich ist, allein durch geschicktes Taktieren oder Strategien Gehaltserhöhungen zu erreichen! Und bitte Frauen, sprecht darüber! Fast jede Frau hat in beruflichen Zusammenhängen Benachteiligungen wegen ihres Geschlechts   erlebt und es hilft ungemein, sich darüber auszutauschen und vielleicht von Wegen zu erfahren, wie andere mit diesen Ungerechtigkeiten umgegangen sind.

 


III.

Carola M aus W.

Nach dem Studium habe ich als Trainee angefangen und mich innerhalb von fünf Jahren zur Teamleiterin hochgearbeitet. In Gehaltsgesprächen zeigte mein Chef sich immer großzügig und versicherte mir, dass ich mal wieder die Einzige wäre, die eine Steigerung von x % bekäme - kein Kunststück, war ich doch mit einem kleinen Trainee-Gehalt eingestiegen.

Als eine Stelle in meinem Team zu besetzen war, kam mein Chef mit der Bewerbung eines Mannes, die er durch eine Empfehlung erhalten hatte. Nach dem ersten gemeinsamen Gespräch war schnell klar, dass mein Chef ihn einstellen wollte. Vor dem zweiten Gespräch kam er zu mir, druckste ein bisschen rum und rückte dann damit raus, dass er dem Bewerber das gleiche Gehalt anbieten wollte, das ich damals bekam, obwohl es sich um eine Stelle mit deutlich weniger Verantwortung handelte. Schließlich hätte derjenige doch Berufserfahrung in einem großen Unternehmen, das müsse ich doch einsehen. Komisch, was hatte ich denn fünf Jahre lang gemacht, wenn nicht Berufserfahrung gesammelt? Da wurde ziemlich deutlich, dass ich mit meinem Gehalt unter dem Marktdurchschnitt liege. Bis heute weiß ich nicht, was die anderen Teamleiter im Unternehmen verdient haben - wahrscheinlich ist das auch besser so, würde es mich doch maßlos ärgern.

Ein gutes Ende der Geschichte gibt es leider nicht zu erzählen. Der neue Mitarbeiter stellte sich als nicht gerade einsatzbereit und fleißig heraus, konnte aber gut mit dem Chef - oder musste der sein Gesicht wahren, weil er sich so für die Einstellung ausgesprochen hatte? Ein halbes Jahr später wurde ich schwanger, wollte nach der Geburt auf meiner Position zunächst in Teilzeit, dann wieder in Vollzeit weiter arbeiten. Trotz vieler Gespräche und einer Vollzeitbetreuung für meinen Sohn war mein Chef letztlich nicht dazu zu bewegen eine Frau als Teamleiterin in Teilzeit zu beschäftigen. Einer Zurückstufung habe ich nicht zugestimmt, ich habe das Unternehmen verlassen und arbeite jetzt - sehr gerne und erfolgreich - freiberuflich. Übrigens: besagter Mitarbeiter wurde zu meinem Nachfolger.

 

 


IV.

Maria F. aus B.

Bei meiner früheren Stelle als Vertriebsmitarbeiterin musste ich ca. 1,5 Jahre darauf drängen, einen Geschäftswagen zu bekommen. Alle anderen Vertriebsmitarbeiter (ausschließlich männlich!) bekamen wesentlich schneller einen Geschäftswagen. Bei mir wurde mein weiter Anfahrtsweg zum Arbeitsort genannt (den der Arbeitgeber nicht bereit war, zu bezahlen), als Grund genannt, warum ich erstmal keinen Geschäftwagen bekommen sollte.

Somit hatte ich neben den Umständen für geschäftliche Reisen, einen Mietwagen o.ä. zu organisieren indirekte Gehaltseinbußen, denn der Geschäftswagen ist Bestandteil des Gehaltes und kann auch privat genutzt werden.

 


V.

Heike T. aus B.

Es geht nicht nur um gleiche Gehaltsforderungen der Frauen, sondern auch um die Gleichbehandlung im öffentlichen Leben, um die Gleichbehandlung als Geschäftspartnerin, als Antragstellerin, als......
Diese Reihe könnte man beliebig fortsetzen, so bunt wie das gesellschaftliche Leben ist, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten der Benachteiligung von Frauen.

Ich möchte Ihnen meine Geschichte vorstellen, die nichts mit der Durchsetzung eines höheren Gehaltes zu tun hat, gleichwohl aber sehr gut hierher passt, weil es um viel mehr ging als eine angemessene Entlohnung. Es ging und geht um Mut in einer scheinbar aussichtslosen Situation, es geht um die Würde, als selbstbestimmte Frau den eigenen Weg durchzusetzen.

Dieser Weg begann im schlimmsten finanziellen Chaos: Die Firma meines Exmannes meldete Insolvenz an, ich war dadurch von einem Tag auf den anderen mit Kredit- und Bürgschaftsforderungen an mich in Höhe von ca. einer halben Million Euro konfrontiert – dazu mit drei minderjährigen Kindern, für die nun auch kein Unterhalt mehr einging. Und als wäre das noch nicht genug, kam als verschärfender Umstand noch hinzu, dass ich mich kurz zuvor selbständig gemacht hatte und natürlich noch längst kein Gewinn aus dieser Selbständigkeit zu erwarten war.

Kopf in den Sand stecken? Heulen? Nein!  So schwer es mir fiel, ich musste den Gang zum Sozialamt antreten und das so genannte Hartz IV beantragen, um wenigstens die nackte Existenz für meine Kinder und mich sicherzustellen.

Selbständig? Aha – dann legen sie bitte Ihre Einkünfte dar. Die Einkünfte waren natürlich nicht überzeugend, mir wurde nahe gelegt, diese Selbständigkeit sofort aufzugeben – allerdings konnte man mir auch kein Arbeitsangebot vorlegen.
Viel schlimmer erschien dem Sozialamt allerdings der Umstand, dass ich - zumindest auf dem Papier - im Besitz von Immobilien war. In Wirklichkeit gehörte natürlich alles den finanzierenden Kreditinstituten – ich stand als Mitbesitzerin im Grundbuch und durfte durch die zu Ehezeiten übernommenen Bürgschaften nun allein den Kopf dafür hinhalten. Logischerweise, (eigentlich müsste man „unlogischerweise“ sagen) stufte man mich im Sozialamt als „Großgrundbesitzerin“ ein, der man es schließlich zumuten könnte, von den Erlösen aus dem Verkauf der Immobilien zu leben.
Das wäre unter normalen Umständen ja auch das Normalste der Welt – aber eben nur unter den normalen Umständen, dass man mit einem Verkauf auch ein Plus erwirtschaftet. In meinem Fall ging es aber lediglich darum, aus dem Verkauf die Bürgschaften abzulösen und eine weitergehende Verschuldung zu verhindern.
Ich verhandelte wochenlang mit den Banken, dass man mir die Kredite stunden möge, um mir so die Gelegenheit eines Verkaufs zu geben und die Zwangsvollstreckung, die für die Betroffenen immer mit enormen finanziellen Einbußen und anschließend meistens mit Restschulden in enormer Höhe verbunden ist, zu vermeiden. Immerhin erreichte ich durch zähes Verhandeln, dass man mir ein Ultimatum setzte, bis zu dem ich einen Verkauf realisieren musste und die Aussetzung der Kreditraten bis zu diesem Zeitpunkt.

Das Sozialamt interessierte dies alles nicht. Mit dem Hinweis auf angeblich genügend Eigenkapital lehnten die Bearbeiter meinen Antrag auf Unterstützung ab. Ich legte Widerspruch ein, verwies darauf, dass man Häuser nicht essen kann, und meine Kinder aber aktuell Hunger hätten, außerdem bald Strom, Wasser und Gas abgestellt würden und ohnehin jegliche Erlöse aus den Immobilien den Kreditinstituten zustehen, ich also keinen Cent davon bekäme. Außerdem brauchte ich etwas Zeit, um in diesem ganzen Stress trotzdem meine Selbständigkeit weiter aufzubauen und doch noch zum Erfolg zu führen. Von einem besonders „netten“ Sachbearbeiter bekam ich zu hören: „Das ist ja alles gut und schön, was sie da erzählen und was sie alles vorhaben – aber eines kann ich ihnen gleich sagen – das wird nie was – alleinstehend und dann mit 3 Kindern – sie werden ewig von Sozialhilfe abhängig sein. Also können sie auch gleich aufgeben.“
Noch nie im Leben hat mich etwas so wütend gemacht wie dieser Satz.
Noch am selben Tag sauste ich zum Sozialgericht, beantragte eine einstweilige Verfügung auf Auszahlung von Unterstützung. Eine Woche später hatte ich diese, zwar um fast vier Monate zu spät, aber immerhin.
Zwischenzeitlich hatte ich sämtliche Gläubiger angeschrieben, ihnen die Situation, aber auch meinen eingeschlagenen Weg erklärt. Alle waren natürlich skeptisch, verlangten Nachweise für meine Angaben.
Tagsüber arbeitete ich, danach Haushalt und Kinder versorgen und nachts saß ich vor dem PC und führte eine täglich größer werdende und mehrere Aktenordner füllende Korrespondenz.

Schlaf? Täglich 3-4 Stunden, das musste reichen.

Drei Dinge haben mir in dieser Zeit sehr geholfen. Zum einen, gute Freunde zu haben, denen ich meinen Kummer anvertrauen konnte, die mir auch in der größten Not mal 50 Euro für dringende Ausgaben liehen und an mich glaubten, mir Mut machten. Und zum anderen, eine größtmögliche Transparenz gegenüber meinen Gläubigern sowie den Banken und die strikte Einhaltung von Zusagen, die ich gemacht hatte. Die Gläubiger gewöhnten sich daran, dass ich zwar nicht viel zahlen konnte, das dafür dann aber regelmäßig und in der vereinbarten Höhe, darüber hinaus schickte ich ihnen jederzeit unaufgefordert Informationen über die aktuelle Situation. Selbst meine Hausbank, die ja die größten Forderungen an mich hatte, war von meinem starken Auftreten und meiner Vorgehensweise beeindruckt und verzögerte zunächst einmal weiterhin das Zwangsversteigerungsverfahren, um mir die Möglichkeit zu geben, eine der Immobilien - wie von mir geplant - auf dem freien Markt zu veräußern. Das gelang mir sprichwörtlich in der letzten Sekunde, die Gelder für die zu Ehezeiten eingegangenen Bürgschaften konnte ich damit an die Bank bezahlen.
Und drittens – und das ist neben guten Freunden und einer hohen persönlichen Verlässlichkeit – immer mein Zutrauen zu mir selbst gewesen, mein Selbstbewusstsein, meine innere Stärke. Jeden  Verhandlungspartner habe ich nicht eine Sekunde im Zweifel gelassen, dass dies ein Gespräch auf gleicher Augenhöhe ist, ich nicht Bittstellerin oder Abhängige bin, sondern genau über meine Rechte und meine Pflichten informiert bin, und ganz feste Vorstellungen von meinen Zielen habe. Wer soll sonst Zutrauen zu mir entwickeln, wenn ich nicht selbst ganz fest an mich glaube? Das setzt natürlich immer voraus, dass man sich im Vorfeld sehr genau über die anstehende Problematik informiert, auch schon in Gedanken einmal sämtliche Argumente und möglichen Gegenargumente durchdacht hat, sich evtl. auch mit bestehenden Gesetzen und Verordnungen vertraut gemacht hat.

Dann wollte ich daran gehen, die Hausbank davon zu überzeugen, mir für die selbstgenutzte Immobilie einen neuen Kreditvertrag zu geben, da der alte Kreditvertrag je zur Hälfte auf meinen Exmann und mich lautete. Natürlich holte ich mir im ersten Anlauf eine deutliche Abfuhr – wesentlich höflicher ausgedrückt, als vom Mitarbeiter des Sozialamtes, aber im Prinzip mit den gleichen Bedenken (alleinstehend, drei minderjährige Kinder, noch keine ertragreiche Selbständigkeit). Ich ließ mich aber nicht entmutigen, sondern bekräftigte meine Planung und rang dem Kreditbearbeiter zumindest die Zusage ab, dass er darüber nachdenken wolle – in der Zwischenzeit musste ich stattliche monatliche Zinsen für den Altkredit in Höhe der üblichen Kreditraten zu zahlen, allerdings ohne Tilgung. Irgendwie packte ich auch das mit viel Arbeit, eisernem Sparen und oftmals auch mit Galgenhumor, wenn ich wieder mal vor der Entscheidung stand: Gas bezahlen oder Zinsen? Oder vielleicht doch lieber den Strom?
Nach einem dreiviertel Jahr zeigte die Bank aufgrund der regelmäßig eingehenden Zinszahlungen erstmals ein Entgegenkommen und bot mir einen Kredit zu Wucherzinsen an. Als Begründung nannte man mir ein schlechtes Rating – das sind die Schulnoten, die sich jeder Bankkunde durch sein Kreditverhalten erwirbt. Ich verwies darauf, dass schließlich nicht ich die säumige Zahlerin gewesen wäre, sondern eigentlich mein Exmann und ich ja lediglich die Bürgschaften für meinen Exmann übernehmen musste. Im persönlichen Bankgespräch bestätigte man mir, dass man das Rating meines Exmannes 1:1 auf mich übertragen hatte, das wäre so üblich. Ich war empört.
Wiederum nächtlicher Schriftverkehr, Recherchen im Internet zu vergleichbaren Fällen – aber alle einschlägigen Gerichtsurteile zur  Sittenwidrigkeit von Bürgschaften mittelloser Ehefrauen gegenüber ihren Männern nutzten mir nichts, die Bank blieb hart.
Nach einem weiteren reichlichen Jahr hatte ich aber meinen Kreditberater von mir und meiner Leistungsfähigkeit überzeugt, er setzte sich für mich ein, was ein großer Pluspunkt für mich war. Meinem Engagement, meinen Argumenten und seiner Unterstützung hatte ich es schließlich zu verdanken, dass ich nach zwei Jahren Kampf – trotzdem ich nach wie vor alleinstehend bin und drei Kinder habe - einen „anständigen“ Kreditvertrag für mein Einfamilienhaus erhielt, sogar mit sämtlichen Rahmenbedingungen, die ich gefordert hatte.

Seit dem „Super-GAU“ sind fast fünf Jahre vergangen. Heute bin ich unabhängig und selbständig. Und wenn ich zurückschaue auf die vielen kleinen Erfolge, auch auf manche Rückschläge in dieser Zeit, dann war die schönste Anerkennung für meinen Weg die Worte meines Kreditbearbeiters bei der Bank: „Sie sind eine bemerkenswerte Frau, ich habe größte Hochachtung vor Ihnen – wie Sie das geschafft haben, das war beeindruckend.“

 


VI.

Gabriele K. aus D.

Dies ist keine Erfolgsstory, sondern ein Aspekt zu Gehältern im Öffentlichen Dienst - Privatwirtschaft.

Ich arbeite in einer Öffentlichen Anstalt, in der der TVL angewendet wird. Daher könnte man annehmen, dass mein Kollege, abgesehen von Ehefrau und drei Kindern, das gleiche Geld verdient wie ich. Und dass die Gehaltsdifferenzen nur in der freien Wirtschaft vorkommen. Im Rahmen der Stellenbeschreibung und -Ausschreibung für eine Projektassistenz bin ich allerdings auf die Möglichkeit gestoßen, die Fallgruppen anders zu interpretieren. Über die tatsächliche Situation weiß ich nichts, doch wurde mir da klar, welche Hintertürchen der TVL zu Un-Gleichgehältern bietet. Damit ist die Illusion von gerechten Gehältern im Öffentlichen Sektor auch dahin, es lebe die Realität. Es bleibt der Kampf um die P20 Bögen!

 


VII.

Lisa M. aus H., Medienkünstlerin

Als freiberufliche Medienkünstlerin verdiene ich natürlich weniger als meine männlichen Kollegen. Besonders deutlich wurden mir die finanziellen Unterschiede seitdem ich allein erziehende und verdienende Mutter bin. Ich habe beschlossen, diese Situation zu ändern und begonnen, mich beruflich intensiv mit vielen Frauen zu vernetzen: Webgrrls, Frauenrat, thealit, Netzwerkvirus. Heute kann ich sagen, dass die Strategie, auf die eigenen Ressourcen und Themen zurückzugreifen, durchaus aufgeht: Ich habe Projekte beantragt zum Thema  Berufsrückkehrerinnen und Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus der Sicht von Müttern. Dort ist mein Stundensatz absolut angemessen, und einige Männer wurden sogar neidisch. Zusammen mit zehn anderen Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen gründeten wir das Projekt "Stille Post", welches wir nun als Gastprofessorinnen auf die Lehre anwenden. Auch habe ich gemerkt, dass sich mit "meinen" Themen gut Geld verdienen lässt, was mich zunächst überraschte. Ich fühlte mich früher als Alleinerziehende recht isoliert und konnte nun die Erfahrung machen, dass es erstens vielen Frauen so geht und zweitens die mit Kindern verbundenen Themen - wie Vereinbarkeit, Familienform und Didaktik - einen sehr großen Markt haben. Für meine auswärtigen Ausstellungen muss ich meinen Sohn immer mitnehmen, was für die Veranstalter eine Verdopplung der Kosten darstellt. Doch auch das funktioniert sehr gut und hat bisher noch niemanden ernsthaft davon abgehalten, mich einzuladen. Ich bin sehr dankbar, solche Erfahrungen machen zu können in einer zunächst als ausweglos erscheinenden Situation.

 


VIII.

Sophia R. aus E., Dipl-Ing. & Geschäftsführerin

Mein Diplom habe ich in meinem Heimatland (Ich bin Ungarndeutsche.) erworben und arbeitete dort als Abteilungsleiterin in einem Qualitätsprüfungslabor. Eine Maschinenbauingenieurin mit zwei Kindern in Ungarn war gar nichts Besonderes.
Erst als wir nach Deutschland aussiedelten, habe ich bitter erfahren müssen, wie sich die Kollegen gegenüber einer Konstrukteurin, die in einem "Männerberuf" arbeitet, verhalten. Mit zwei Kindern "nimmt sie einem Mann den Arbeitsplatz weg"! Nebenbei bemerkt: Mein Gehalt war "natürlich" wesentlich geringer, als das meiner männlichen Kollegen. Ja, das war eine richtige Herausforderung. Als wir vor über zwanzig Jahren unsere Firma gegründet haben, als Selbstständige, konnte ich auch meine Zeit an die Familienbedürfnisse besser anpassen.